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Wellness im Schlaf

Die Sitzbank im Kompaktcamper hat schlicht zu viele Jobs, um wirklich guten Schlafkomfort bieten zu können. Erst Matratzenauflagen machen die Bänke von California & Co. so richtig bequem.
Man muss gar nicht sonderlich empfindlich sein, um im Parterre eines Camping- busses schlecht zu schlafen. Die vorrangige Aufgabe einer Rückbank ist es nun mal, während der Fahrt Passagiere bequem zu befördern und ihnen im Falle eines Crashs sicheren Halt zu bieten. Dazu braucht es eine straffe Polsterkonsistenz, eine gewisse Konturierung und ordentliche Rückhaltesysteme – Dinge, die vom heimischen Bett niemals gefordert werden.
Die Folge: Zum Bett umgeklappt drückt und zwickt es des Nachts, und statt dass der Körper zur Ruhe kommt, schlafen wegen der harten Unterlage die Gliedmaßen ein ...
Und so knobeln nicht wenige Paare regelmäßig aus, wer oben schlafen darf – und wer unten bleiben muss. In vielen gängigen Bussen wie VW California oder Mercedes Marco Polo ist das Dachbett im Kom- fortvergleich die bessere Wahl. Zugegeben, es gibt auch Ausnahmen. Etwa Sitzbänke, die so clever umklappen, dass man auf der hartgepolsterten Seite sitzt und auf der weichen Rück- seite schläft. Doch hört man sich unter Campingbusbesit- zern um, wird klar, insgesamt gibt es allerhand Leidensgenossen – fast unabhängig von der Marke. Diesem Leiden haben sich eine Reihe von Anbietern von Matratzenauflagen, zum Klappen oder Rollen, angenommen. Elf Produkte haben wir uns nicht nur genau angeschaut, sondern auch je eine Nacht lang Probe geschlafen.

Die Ausgangslage in einem als Testträger genutzten Marco Polo Baujahr 2011 ist im Grun- de gar nicht schlecht. Dank per integriertem Kompressor aufblasbarer Wangenpolster offe- riert seine Zweiersitzbank den Passagieren während der Fahrt eine haltbietende Konturierung. Vorm Schlafen lässt man die Luft einfach ab und die Liegefläche ebnet sich wie von Geisterhand. Auch die Gurtschlösser stören kaum, weil sie nach dem Umbau unterhalb der Liegefläche sitzen – übrig bleiben nur kleine Lücken im Polster. Da gibt es in anderen Vans, wo teils unterschiedliche Flächenniveaus ausgeglichen werden müssen, viel problematischere Konstellationen.


Das Manko beim Mercedes: Die Polster sind einfach viel zu hart zum Schlafen. Wer auf Rücken oder Bauch schläft, mag damit einigermaßen klarkommen. Seitenschläfer aber, die sich im Schlaf zudem oft unruhig hin- und herwinden, erwachen am Morgen eher gerädert, als erholt. Eine ideale Matratzenauflage für den Marco Polo muss keine großen Lücken überbrücken oder unterschiedliche Höhen ausgleichen. Ihre Aufgabe ist es schlicht, eine möglichst komfortable Unterlage zu bieten. Auch rutschfest muss sie nicht unbedingt sein, denn die Textiloberfläche der Sitzbank liefert genug Halt.


Nun kann die Definition von Komfort allerdings von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausfallen, das zeigt sich auch bei diesem Test. Während der Autor und seine Partnerin eher weichere Untergründe bevorzugen, stehen deren Kinder, die auch Probe liegen durften, tendenziell auf härteres Material. Von „weich“ wird beim Matratzenmarketing übrigens heutzutage nur ungern gesprochen, denn das Wort suggeriert offenbar mangelnde Qualität. Unsere Wertung ist vor diesem Hinter- grund auch nicht als absolut anzusehen; wer lieber etwas härter schläft, bevorzugt wahrscheinlich eine Matratze die weniger als fünf Sterne in unserer Bewertung des Komfortgewinns erreicht. Als Interessent sollte man, wo immer möglich, vor dem Kauf Probe liegen. Mit Ausnahme der Westfalia-Auflage aus reinem Mesh-Gewebe sorgt in allen unseren Probanden Kaltschaum unterschiedlicher Stärken für die nötige Unterstützung. Dieses Material hat sich als gelungener Kompromiss aus Atmungsaktivität und Gewicht bewährt.

 

Manche Hersteller – in unserem Vergleich die Anbieter Cowan und Froli – verwenden ihn in nur einer Konsistenz, andere verkleben Schäume unterschiedlicher Dichten miteinander (Fanello und Brandrup) oder integrieren eine Schicht viscoelastischen Schaums (Optima, BB Walder und Vitaline). Auf Körpertemperatur gebracht, schmiegt der sich den Konturen besser an, formt sich bei Entlastung aber auch nicht so schnell zurück und ist weni- ger atmungsaktiv (siehe Materialkunde Seite 75).
Die Materialwahl kann in Sachen Körperunterstützung und Liegegefühl einen großen Unterschied machen. Einige Hersteller geben für ihre Schäume Härtegrade an. Da die aber nicht genormt sind, hat der Zahlenwert allein keine große Aussagekraft.

 

Acht der elf Kandidaten sind dreiteilige Klappmatratzen, die sich hinter der Rück- bank zusammengefaltet verstauen lassen – und abseits der Saison auch zu Hause als platzsparendes Gästebett gute Dienste leisten. Wer meist zu zweit und mit knappem Gepäck unterwegs ist, kann die durch die Mitnahme bedingten Stauraumverluste verschmerzen. Allen anderen aber könnten sie durchaus Kopfzerbrechen bereiten. Deshalb haben wir auch vier platzsparendere Varianten mit in den Test aufgenommen: die Westfalia-Mesh-Matratze und die äußerlich zum Verwechseln ähnliche Galaktika Black Edition als zweites Produkt von BB Walder. Mit einem 3-cm-Kalt- schaumkern hat sie ein völlig eigenes Innenleben. Die relativ dünne Schlafauflage von Froli sowie eine selbstaufblasende Matte von Sea-to-Summit kommen hinzu. Die kleinen bis mittleren Packvolumina dieser vier sind in der Enge des Busses ein großer Vorteil, und auch das angesichts ihrer Materialstärken gebotene Komfortniveau hat uns bei allen grund- sätzlich überrascht.


Man darf aber nicht vergessen: Die Bankpolster untendrunter federn, bei aller Härte, immer auch noch ein Stück mit. Mit dem Komfort der dickeren Schaummatratzen können die vier trotzdem nicht mithalten. Sparvarianten allerdings sind sie nur in Sachen Packvolumen, bei den Preisen eher nicht.
Weiterer Vorteil für Rückengeplagte: weniger Material wiegt auch weniger. Wo bis knapp über zehn Kilo schwere Klappmatratzen das Handling bisweilen anstrengend machen, lassen sich BB Walder Black Edition, Westfalia und Sea-to- Summit auch auf dem Weg zum Strand mal unter den Arm klemmen. Dafür sind diese „Sparversionen“ noch aus ei- nem weiteren Grund besonders geeignet. So ist die Westfalia- Matratze definitiv outdoorfä- hig. Sie lässt sich durch Ab- brausen reinigen, ist bei 40 Grad waschbar und trocknet in Windeseile. BB Walders Galak- tika Black Edition ist immerhin abwaschbar. Ihr Nässestopp auf der Unterseite verhindert, dass der Kaltschaum im Innern auf feuchtem Untergrund lei- det. Selbstaufblasende Matten wie die Sea-to-Summit sind oh- nehin nicht nur luft-, sondern auch wasserdicht und für den Outdoor-Einsatz robust genug.


Auch bei den Klappmatratzen können etwas geringere Ab- messungen dem Handling im Übrigen nicht schaden. Denn verklemmt sich der Schaum- stoff zwischen Seitenwand und Möbelzeile, klappt das mit dem Zusammenklappen nicht meh»r so gut. Für alle, deren Busbett spezielle Maße aufweist, bieten die Hersteller in aller Regel auch Maßanfertigungen.
Klappen spart zwar Stauraum, hat aber auch einen Nachteil: Zwischen den Matratzenstücken können spürbare Lücken bleiben, denn die Verbindung zwischen ihnen stellt ausschließlich der Bezug her. Der Matratzenausschnitt für die Verjüngung der Liegefläche im Heck des Marco Polo definiert die Ober- und Unter- seite eindeutig, auch Kopf- und Fußende sind damit festgelegt. Nur die Fränkische Schlafmanufaktur offeriert mit zwei Ausschnitten die Möglichkeit zum Wenden der Matratze. Bei allen anderen Toppern befindet sich die geschlossene Verbindung zwischen zwei Elementen stets im Oberkörperbereich, die offene bei den Beinen. Einschränkungen beim Schlafen bringt das in keinem Fall mit sich. Nur wenn man darauf herumkrabbelt, kann es passieren, dass man mit den Knien in die Ritze gerät. Geschickt vermeidet das Fanello. Durch ihre Keilkonstruktion lässt sich die Clickmat über nur eine Seite zusammenklappen, die Liegefläche weist keine Lücken auf.

 

Welche Matratze aus dieser Auswahl würden wir persönlich im Marco Polo mit auf große Fahrt nehmen? In Sachen Komfort wären BB Walders Galaktika Silverline, die Optima-Klappmatratze und Fanellos Clickmat in der engsten Wahl, doch bremsen das dicke Packmaß und das umständliche Handling, auch wegen des Gewichts, die Euphorie. Ähnlich bei der Sea-to-Summit. Wäre das müh same und zeitraubende Zusammenpacken nicht, fiele unsere Wahl auf diese bequeme Alternative. Und so kristallisiert sich als bester Kompromiss für unser Anforderungsprofil das zweite BB-Walder-Produkt, die Galaktika Black Edition, heraus. Sie ist leicht, braucht wenig Platz, ist ein gutes Stück komfortabler als das ähnliche Produkt von Westfalia und macht auch noch auf der Liegewiese eine gute Figur.

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